Einen grünen Tee bitte…

Salam Deutschland,

zu Beginn des Podcasts “Salam Deutschland — mit Chai’ Sabs” standen dutzende Namen für den Titel des Podcasts zur Auswahl. Für meinen Alias Chai’ Sabs entschied sich das Team jedoch früh.

Chai’ Sabs ist persisch und steht für “grünen Tee”. Damit soll zum einen ausgedrückt werden, dass ich als Gastgeber meine Gäste auf eine Tasse einladen möchte, während wir entspannt über das (islamische/muslimische) Leben, die Muslime und den Islam in Deutschland salamatisieren. Zum anderen wage ich damit einen Konflikt zu lösen, der im Diskurs rund um soziale Medien als Oxymoron erscheint….

Chai’ Sabs Logo

Dabei geht es nicht um die Wahl eines Künstlernamens. Es geht vielmehr darum, sich selbst nicht öffentlich präsentieren und in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Aber mal ganz von vorn.

Im Islam gibt es einen sehr bekannten Ausspruch des Propheten (sas):

Handlungen werden nach Absichten beurteilt, sodass jeder Mensch das bekommt, was er beabsichtigt hat. […] (Bukhari: 54)

Ein sehr fairer und vor allem barmherziger Deal. Es gibt so viele Dinge im Leben, die man nicht beeinflussen kann und für dessen Resultate man auch nicht verantwortlich gemacht werden sollte. Daher könnte man beruhigt sein, selbst wenn ein Vorhaben nicht funktioniert. Besitzt man nämlich eine gute Absicht, allen voran das Wohlgefallen seines Schöpfers zu erlangen und damit einhergehend keine Tat durchzuführen, die es automatisch ausschließt (z. B. anderen Menschen Unrecht zu tun), so sieht und kennt Allah (swt) alle Angelegenheiten und kein Vorwurf ist zu erwarten.

Soweit so gut — aber was hat das jetzt mit dem Podcast und dem grünen Tee zu tun?

Als die Idee des Podcasts inmitten der Corona-Pandemie 2020 und wahrscheinlich aus einem Überfluss an Zeit ins Leben gerufen wurde, bestand der Drang, die sonst “verschwendete” Zeit kreativ und im Kontext der eigenen Stärken sinnvoll zu investieren. Im Optimalfall sollte etwas entstehen, was nachhaltig aufrechterhalten bleibt und sogar über das eigene Bestehen hinaus etwas Konstruktives produziert. Im islamischen Kontext wird hier auch von einer Sadaqa Jariyah gesprochen. Sehr einfach übersetzt bedeutet dies, eine fortlaufende Gute Tat zu generieren. Klassische Beispiele sind hierbei:

  1. Wissen, das man weitergibt und Generationen bereichert, z. B. durch Bücher;
  2. Wasser, das Leben rettet und wodurch man Anteil an jeder guten Tat des geretteten Lebens hat;
  3. Wertschätzung, die man seinem Gegenüber gibt und ihn dadurch wiederum inspiriert, fortlaufende gute Taten zu verrichten;

Aber wie hilft jetzt ein Alias wie Chai’ Sabs eine Sadaqa Jariyah aufzubauen?

Zu Beginn hilft die Nutzung eines Alias nicht direkt, ein nachhaltiges Projekt mit einer guten Absicht zu entwickeln. Dazu ist jeder in der Lage, ob Personen des öffentlichen Lebens oder Privatpersonen. Und es soll nicht die Aussage fallen, dass man niemals seine wahre Identität verraten darf, um dieses Ziel zu erreichen. Gerade zu Beginn eines Podcasts, eines Youtube-Channels oder Ähnliches hat man überhaupt damit zu kämpfen, erkannt zu werden. Der Kniff liegt hier in der langfristigen Betrachtung.

Spulen wir einmal 5 Jahre in die Zukunft vor, bestehen der Podcast und daraus resultierende Projekte immer noch. Allein aufgrund der Laufzeit kann angenommen werden, dass eine nicht kleine Community entstanden ist. Die Reichweite wird größer, aber damit auch der Druck. Es entsteht eine virtuelle Erwartung, regelmäßig zu produzieren, der Community etwas zurückzugeben. Als unmittelbare Folge besteht die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit auf mich selbst wichtiger wird als das initiale Projekt. Die Absicht, Menschen zu inspirieren, wird zum Ziel, “Klicks” zu maximieren. Der Algorithmus-Teufelskreis ist vollständig.

Was initial dazu bestimmt war, etwas Nachhaltiges zu produzieren, sodass ein Mehrwert generiert wird, um somit das Wohlgefallen seines Schöpfers zu erlangen, kann schnell in ein opportunistisches Handeln umgemünzt werden. Es kann, weil das Gleiche natürlich auch passieren kann, wenn man Content nur mit einem Alias produziert. Es mindert jedoch zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass der Fokus auf etwas Vergängliches gelegt wird, den Menschen. Und es erhöht die Chance, dass der Fokus stets auf etwas Nachhaltigem liegt, auf (qualitativen) Inhalten.

Wie so oft kommt es am Ende auf die Absicht an…
Abi! Einmal einen grünen Tee bitte!

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Wa salam,
Euer Chai’ Sabs

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